Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) kann als Rechtsform in Deutschland auf eine lange Geschichte zurückblicken und existiert bereits seit mehr als 100 Jahren. Nichtsdestotrotz fristete sie stets ein Nischendasein, sodass bis heute wenige 100 KGaAs mehreren 1.000 GmbHs gegenüberstehen (Vgl. Schaumburg, H./Schulte, C. (2000), S. V). Daraus zu schließen, dass es sich bei der KGaA um eine unattraktive Rechtsform handelt, wäre jedoch weit gefehlt. Vielmehr ist es die Komplexität, die der Rechtsform zwar einerseits Exotenstatus verleiht, andererseits aber durch die Gestaltungsmöglichkeiten Vorteile für ihre Nutznießer eröffnen kann. Ziel dieses Beitrags soll es daher sein, die KGaA als Rechtsform in einem ersten Schritt einführend vorzustellen.

Zwischen den Welten

Die KGaA gilt als hybride Rechtsform, da sie in rechtlicher Hinsicht Merkmale der Personen- und Kapitalgesellschaft miteinander vereint, in gewisser Weise eine Mischform darstellt. Gesetzlich geregelt ist sie im Aktiengesetz. So finden sich sowohl Elemente der Satzungsstrenge, die typisch für juristische Personen sind, als auch Charakteristika der für Personengesellschaften typischen Gestaltungsfreiheit. An eine Kommanditgesellschaft angelehnt ist die Existenz eines persönlich haftenden Gesellschafters gem. § 278 AktG, des Komplementärs. Für den Komplementär sind gem. § 278 Abs. 2 AktG folgerichtig die gesetzlichen Vorschriften des Handelsgesetzbuches über Kommanditgesellschaften zu beachten. Beim Komplementär handelt es sich um den geborenen Geschäftsführer der KGaA, dem nicht nur Führungs- und Kontrollrechte zustehen, sondern dem auf Grund seiner persönlichen Haftung auch stets „Vetorechte“ zustehen. Die KGaA weist nämlich eine zweite Gesellschaftergruppe auf, die der Kommanditaktionäre, der gegenüber diese besondere Rechtsstellung zum Tragen kommt. Die Kommanditaktionäre haften lediglich in Höhe ihrer Einlage in das Kommanditkapital, das in Form von Aktien das Grundkapital bildet, worin die Verwandtschaft zur Aktiengesellschaft deutlich wird.  Wie bei einer Aktiengesellschaft (AG) beträgt das Mindestgrundkapital gem. § 8 Abs. 1 AktG 50.000 €, ebenso sind eine Hauptversammlung einzuberufen, ein Aufsichtsrat  zu bestellen sowie die Grundsätze der betrieblichen Mitbestimmung zu beachten, die für Unternehmen der jeweiligen Größenordnung anzuwenden sind. Für Familienunternehmen attraktiv gestaltet sich die Rechtsform allerdings dadurch, dass prinzipiell keine wichtige Entscheidung ohne Zustimmung des Komplementärs getroffen werden kann (Vgl. Nagel, S./Wittkowski, A. (2012), S. 22). Seit dem Grundsatzurteil des BGH vom 24.02.1997 ist geklärt, dass sich als Komplementär ebenfalls eine GmbH oder eine GmbH & Co. KG einrichten lässt, sodass die Haftung nicht zwangsläufig von einer natürlichen Person getragen werden muss. Der Familieneinfluss eines Familienunternehmens kann so durch die Besetzung der Komplementärrolle entweder direkt oder durch Besetzung einer familienkontrollierten Komplementärgesellschaft erfolgen, denn die Kontrolle ist bei der KGaA nicht von der Beteiligungshöhe abhängig. Gleichzeitig kann jedoch die Kapitalbeschaffung durch Ausgabe von Aktien am Kapitalmarkt erleichtert werden. Die üblichen Nachteile des Kontrollverlustes für Familien bei Schaffung einer AG durch die Stellung von Hauptversammlung und Aufsichtsrat können so durch einen starken Familieneinfluss in der Rolle des Komplementärs bei Familienunternehmen gesichert werden. § 84 AktG, der die Bestellung und Abberufung des Vorstandes durch den Aufsichtsrat festlegt, lässt sich nämlich nicht auf den persönlich haftenden Gesellschafter der KGaA übertragen (Vgl. Nagel, S./Wittkowski, A. (2012), S. 86).

Zusammenfassend die wichtigsten Eigenschaften der KGaA:

  • Hybride Rechtsform: Mischung aus Personen- (KG) und Kapitalgesellschaft (AG)
  • Gesetzlich geregelt im Aktiengesetz
  • Mindestgrundkapital 50.000 €
  • Zwei Gesellschaftergruppen: Komplementäre (mind. ein persönlich haftender Gesellschafter) und Kommanditaktionäre, die das Grundkapital zerlegt in (Kommandit-)Aktien halten
  • Trennung von Kapital und Kontrolle möglich, da Komplementäre allen außergewöhnlichen Geschäftsführungsmaßnahmen und Grundlagengeschäften zustimmen müssen

Autor: Julian Versen

Literaturhinweise

Nagel, S.; Wittkowski, A. (2012): Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Rechtsform für Mittelstand und Familienunternehmen (1. Auflage). Wiesbaden: Gabler Verlag.

Schaumburg, H.; Schulte, C. (2000): Die KGaA. Recht und Steuern in der Praxis (1. Auflage). Köln: Dr. Otto Schmidt Verlag.

Julian Versen, M. Sc.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand der Universität Bielefeld am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. betriebliche Steuerlehre und Revisor bei SUMABO

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2019-03-06T10:39:25+01:00Oktober 1st, 2018|Recht und Steuern|0 Kommentare

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