In diesem Beitrag erklären wir:

  • Warum man sich Gedanken um die steuerlichen Folgen verschiedener Entlohnungsformen machen sollte.
  • Ob die Tantieme oder die Belegschaftsaktie aus Sicht des Arbeitnehmers eine geringere Steuerbelastung aufweist und welches dieser Entlohnungsalternativen demnach aus seiner Sicht steueroptimal zu wählen wäre.

Viele Jahre lang waren in Deutschland hauptsächlich der Arbeitslohn und das Gehalt die in der Praxis gängigen Formen der Mitarbeiterentlohnung. In den letzten Jahren haben sich jedoch auch Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen als zusätzliche Entlohnungsformen in Deutschland immer mehr etabliert. So hatten im Jahr 2004 um die 100.000 Unternehmen die Erfolgsbeteiligung in ihr Entlohnungssystem integriert und 6 Millionen Mitarbeiter waren bis Dato am Erfolg ihres Arbeitgebers monetär beteiligt. Beteiligungen der Arbeitnehmer am Kapital des Arbeitgebers wurden Stand 2004 zwar lediglich von 3.000 Unternehmen angeboten, allerdings waren es bis dahin schon 2,4 Millionen Arbeitnehmer, die am Kapital ihres Arbeitgebers beteiligt waren (Tzschentke, 2007).

Aufgrund der steigenden Bedeutung von Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen als zusätzliche Entlohnungsform und der teilweise sehr unterschiedlichen steuerlichen Folgen dieser alternativen Entlohnungsformen, ist eine eingehende Analyse der unterschiedlichen steuerlichen Auswirkungen auch aus Sicht der unternehmerischen Praxis wünschenswert und sinnvoll. Es wird zunächst eine Analyse der steuerlichen Folgen für den Arbeitnehmer angestrebt, da die steuerlichen Auswirkungen und Unterschiede auf Ebene des Arbeitsgebers deutlich geringer sind. Die Analyse ließe sich jedoch bei einer weiteren Untersuchung durchaus auf die Ebene der Arbeitgeber ausweiten, sodass es beispielsweise durch einen kooperativen Lösungsansatz möglich wäre zu untersuchen, welche Alternative für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam die geringste Steuerbelastung erbringen würde.

Dementsprechend ist es Ziel dieses Beitrags die Frage zu beantwortet, welche Entlohnungsalternative zur geringsten Steuerbelastung für den Arbeitnehmer führt. Zunächst wird dabei die Tantieme mit der Belegschaftsaktie verglichen. In einem weiteren Beitrag werden wir die stille Beteiligung, das Mitarbeiterdarlehen und das Mitarbeiterguthaben in den Vergleich mit einbeziehen und die entsprechenden Untersuchungsergebnisse vorstellen.

An dieser Stelle sei ausdrücklich anzumerken, dass im Rahmen dieser Untersuchung ausschließlich Aussagen über die steuerliche Vorteilhaftigkeit der Alternativen getroffen werden können. Es sollte klar sein, dass es noch weitere Kriterien gibt, die in der Praxis bei der Beurteilung von Entlohnungsalternativen berücksichtigt werden sollten, wie beispielsweise die Anreizwirkung, der Kapitalbedarf der Arbeitgebergesellschaft oder rechtsform- und größenabhängige Besonderheiten.

Um die Auswirkungen der Besteuerung auf die Wahl der Entlohnungsalternative isoliert betrachten zu können, ist zunächst ein Modell zu implementieren, welches sicherstellt, dass die zu untersuchenden Alternativen im Fall ohne Steuern denselben monetären Mehrwert für den Arbeitnehmer haben. Als Maß für den monetären Mehrwert bzw. als Entscheidungskriterium wird das Endvermögen verwendet. Im Rahmen des Modells wird davon ausgegangen, dass der Arbeitnehmer bei einer Kapitalgesellschaft angestellt ist. Die Annahme einer Kapitalgesellschaft als Arbeitgeber ist sinnvoll, da vor allem Mitarbeiterkapitalbeteiligungen deutlich häufiger von Kapitalgesellschaften, als von Personengesellschaften angeboten werden. Die Belegschaftsaktie ist beispielsweise per Definition nur bei Kapitalgesellschaften möglich.

Die Tantieme ist wohl die einfachste Form der Erfolgsbeteiligung. Sie beteiligt den Empfänger prozentual am Gewinn (oder auch Umsatz) des Unternehmens. Grundlage dieser Untersuchung ist die Gewinntantieme, die sich am handelsrechtlichen Gewinn vor Steuern orientiert. Die Einnahmen aus der Tantieme sind steuerlich als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit zu klassifizieren und unterliegen damit der tariflichen Einkommensteuer. Als abzugsfähige Werbungskosten wurde im Rahmen der Untersuchung der Arbeitnehmer-Pauschbetrag angesetzt. (Vgl. Koch, 2001 & Nawrot, 2009)

Die unentgeltliche bzw. verbilligte Überlassung bzw. Ausgabe von Aktien an den Arbeitnehmer stellt für den Arbeitnehmer Arbeitslohn in Form eines Sachbezugs dar und ist demnach unter den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit zu erfassen. Der sogenannte geldwerte Vorteil des Arbeitnehmers in Höhe des Unterschiedsbetrags zwischen dem gemeinen Wert der Aktie am Tag der Überlassung und dem Preis, den der Arbeitnehmer dafür entrichtet hat, stellt somit eine zusätzliche Entlohnung dar. Auch diese Einnahmen (vermindert um den Arbeitnehmer-Pauschbetrag) unterliegen der tariflichen Einkommensteuer. Allerdings kommt hier der Freibetrag nach §3 Nr. 39 EStG zur Förderung des Vermögensaufbaus von Angestellten zur Geltung. Demnach ist der Vorteil des Arbeitnehmers durch die verbilligte oder unentgeltliche Überlassung von Vermögensbeteiligungen im Wert von bis zu 360 € im Kalenderjahr steuerfrei. Außerdem wird die Vermögensbildung von Angestellten unter bestimmten Voraussetzungen mit einer steuer- und sozialversicherungsfreien Zulage (der sogenannten Arbeitnehmer-Sparzulage) in Höhe von 20% der erhaltenen vermögenswirksamen Leistung gefördert, maximal jedoch mit 80 € pro Kalenderjahr. Zulagenberechtigt sind allerdings lediglich Arbeitnehmer, deren Einkommen die Grenze von 20.000 € im Jahr (bzw. 40.000 € bei Zusammenveranlagung) nicht übersteigt. (Vgl. Harder-Buschner, 2009 & Warnke, 2009)

Aufgrund des Freibetrags und der Arbeitnehmer-Sparzulage ist die Belegschaftsaktie in allen denkbaren Parameter-Konstellationen (Ergebnis der Sensitivitätsanalyse) die aus steuerlicher Sicht bessere Variante im Vergleich zur Tantieme.

Nachdem wir an dieser Stelle festgestellt haben, dass die unentgeltliche bzw. verbilligte Überlassung von Belegschaftsaktien aus Sicht des Arbeitnehmers, zumindest unter steuerlichen Gesichtspunkten, der Tantieme vorzuziehen ist, soll der Vergleich in einem zweiten Beitrag um weitere Entlohnungsalternativen, wie die stille Beteiligung, das Mitarbeiterdarlehen und das Mitarbeiterguthaben, ergänzt werden. Autor: Sven Weglage

Literaturhinweise

Harder-Buschner, C. (2009): Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz – Änderungen bei der steuerlichen Förderung von Beteiligungsprogrammen. In: NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht Vol. 17, S. 1252-1261.

Koch, M. (2001): Die Gestaltung der Geschäftsführervergütung bei einer personalistischen GmbH. Lang.

Nawrot, K; Knyphausen-Aufsess, D.; Didion, E.; Wenig, K. (2009): Modelle der materiellen Mitarbeiterbeteiligung bei der GmbH. In: Leuner, R. (Hrsg.): Mitarbeiterbeteiligung. 1. Aufl. Wiesbaden: Gabler

Tzschentke, D. (2007): Mitarbeiterbeteiligung und deren Besteuerung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien: Bestandsaufnahme und Perspektiven. Universität Bayreuth: Dissertation.

Warnke, K. (2009): Förderung der Mitarbeiterbeteiligung durch das Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz. In: Der Ertragsteuerberater: EStB, Vol. 5, S.168-172.

Sven Weglage, M. Sc.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand der Universität Bielefeld am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. betriebliche Steuerlehre und Steuerassistent bei der Steuerberatungsgesellschaft Bollmann, Spielmann & Kollegen und Revisor bei SUMABO

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2019-03-06T10:39:59+01:00Oktober 1st, 2018|Recht und Steuern|0 Kommentare

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