In diesem Beitrag geht es um:

  • Wie findet die Einbindung der Konsumenten in die Neuproduktentwicklung im Rahmen von Open Innovation Wettbewerben in der Praxis statt?
  • Welche kritischen Aspekte sind bei der Anwendung von Open Innovation Wettbewerben zu beachten?

Insbesondere in den letzten Jahren ist die Neuproduktentwicklung in Unternehmen zu einer immer größer werdenden Herausforderung geworden. Faktoren, wie kurze Produktlebenszyklen und die Globalisierung haben ihren Beitrag dazu geleistet. Deshalb wird der Rolle der Konsumenten eine größer werdende Macht zuteil. Vor allem Konsumenten, die in der Lage sind, kreative und neue Produkte aus ihrer Sicht zu entwickeln, gelten für Unternehmen im Kontext der Neuproduktentwicklung als besonders wertvoll. Schließlich können sie den Herausforderungen in puncto Innovation gerecht werden (Carayannis/Meissner, 2017). Dieses Phänomen wird auch als Open Innovation zusammengefasst. Seitdem das Konzept in der letzten Dekade an Popularität gewonnen hat, haben bereits einige Unternehmen von diesem Phänomen in Form von Open Innovation Wettbewerben Gebrauch gemacht.

Ziel dieses Beitrags soll es daher sein, darzustellen, wie die Einbindung von Konsumenten in die Neuproduktentwicklung von Unternehmen in Form von Open Innovation Wettbewerben in der Praxis funktioniert und was es dabei kritisch zu beachten gilt.

 

From theory to practice: Die Einbindung in der Praxis

Seitdem Henry Chesbrough den Open-Innovation-Ansatz ins Leben gerufen hat, sind Bekanntheit und Anwendung enorm angestiegen (Chesbrough, 2003). Bei Open Innovation Wettbewerben werden neue Produktideen durch Konsumenten online eingereicht und für diese Ideen wird im Anschluss daran von anderen Konsumenten abgestimmt, ähnlich wie der „Gefällt mir“-Button bei Facebook (Hofstetter et al., 2017). Open Innovation Wettbewerbe beziehen sich somit auf einen Outside-In-Prozess, bei dem externes Wissen in das Unternehmen transferiert wird. Die Thematiken sind dabei sehr unterschiedlich, jedoch sollten sie zumeist einen eher niedrigen bis mittleren Schwierigkeitsgrad aufweisen, damit sich möglichst viele Konsumenten angesprochen fühlen.

Dies zeigen auch die in der Praxis zahlreich existierenden Beispiele: Bei LEGO Ideas können Benutzer kreative und einzigartige Ideen für ein neues LEGO Spielset einreichen. Sofern eine Idee mindestens 10.000 Stimmen erhält und von einer LEGO Expertenjury ausgewählt wird, erfolgt die Produktion dieses LEGO Spielsets und der Benutzer wird als Sieger des Open Innovation Wettbewerbs am Gewinn des Spielsets beteiligt (LEGO Ideas, 2019). Aber auch andere Unternehmen, wie McDonald’s (My Burger campaign) und Frito-Lay (Do Us a Flavour) nutzen Open Innovation Wettbewerbe für die Neuproduktentwicklung (Hofstetter et al., 2017; Slotegraaf, 2012). Dass Open Innovation Wettbewerbe auch bei sehr spezifizierten Zielgruppen erfolgreich sind, zeigt ein aktuelles Beispiel bei Porsche. In diesem Rahmen haben sich Studierende verschiedener Universitäten in einem solchen Wettbewerb mit dem Thema „New Work bei Porsche“ auseinandergesetzt (Porsche, 2018).

 

A double-edged sword: Kritische Aspekte in der Anwendung

Auch wenn Unternehmen prinzipiell immens von der Partizipation der Konsumenten profitieren können, so gilt dies nicht immer ohne Einschränkungen. In der praktischen Implementierung gilt es als unabdingbar, dass am Ende mindestens ein Gewinner gekürt wird, der stets als Anreiz einen Preis respektive eine Belohnung für seine Idee erhält. Besser noch sollten Unternehmen den Ansatz verfolgen, nicht nur den Erstplatzierten zu belohnen, sondern proportionale Preise zu gewähren, um die Teilnahmemotivation zu erhöhen (Cason et al., 2010). Weiterhin zu beachten gilt es, dass die Ideen der Konsumenten zwar bezüglich des Neuigkeitsgrads und des Kundennutzens superior zu bewerten sind, insbesondere die Machbarkeit der Idee jedoch im Anschluss durch eine Expertenjury genaustens geprüft werden muss, da dieser Punkt häufig in unzureichendem Maße von den Konsumenten berücksichtigt wird (Poetz/Schreier, 2012).

Ein weiterer kritischer Aspekt liegt in der Interaktion der Konsumenten, die sich nicht nur positiv evaluieren lässt. Zum einen sollte in der Praxis darauf geachtet werden, dass bezüglich jeder eingereichten Idee die Möglichkeit besteht, direktes Feedback (bspw. in einem Kommentarfeld) zu geben. Je positiver und ausgeprägter ein solches Feedback ausfällt, desto wahrscheinlicher ist es schließlich, dass der bewertete Konsument auch für andere Konsumenten abstimmt und Feedback gibt, was zu einer authentischeren Bewertung der Ideen führt (Jensen et al., 2014). So trägt ein Gleichgewicht zwischen Kooperation und Konkurrenz zu optimierten Ergebnissen bei. Zum anderen muss jedoch auch berücksichtigt werden, dass aufgrund von sozialen Beziehungen einige Ideen eine große Anzahl an Stimmen erhalten, wenn der Konsument seine Freunde dazu animiert, für seine Idee abzustimmen. Dies führt zu einer Verzerrung des Ergebnisses bezüglich der Güte der Idee.

Zudem muss in der Praxis auf struktureller Ebene darauf geachtet werden, dass unternehmensinterne Barrieren überwunden werden und die Öffnung des Innovationsprozesses in der organisationalen Struktur, Kultur und dem Wissen nachhaltig verankert wird (Wikhamn/Styhre, 2017).

 

Lessons Learned: Handlungsempfehlungen

  • Ideen der Kunden gelten aufgrund kurzer Produktlebenszyklen und der Globalisierung als besonders wertvoll.
  • Die Thematiken sollten leicht zugänglich für eine breite Zielgruppe sein.
  • Proportionale Preise erhöhen die Teilnahmemotivation.
  • Ein Gleichgewicht von Kooperation und Konkurrenz sollte gewährleistet sein.
  • Eine strategische Verankerung im Unternehmen bezüglich der Öffnung des Innovationsprozesses ist unabdingbar.

Autor: Melina Schleef

 

Literaturhinweise

Carayannis, E.G.; Meissner, D. (2017): Glocal targeted open innovation: challenges, opportunities and implications for theory, policy and practice, The Journal of Technology Transfer, 42, 236–252.

Cason, T.N.; Masters, A.; Sheremeta, R.M. (2010): Entry into winner-take-all and proportional-prize contests: An experimental study, Journal of Public Economics 94 (9), 604–611.

Chesbrough, H.W. (2003): Open Innovation: The new imperative for creating and profiting from technology. Harvard Business School Press: Boston, Mass.

Hofstetter, R.; Aryobsei, S.; Herrmann, A. (2017): Should you really produce what consumers like online? Empirical evidence for reciprocal voting in open innovation contests, Journal of Product Innovation Management, 35 (2), 209–229.

Jensen, M.B.; Hienerth, C.; Lettl, C. (2014): Forecasting the commercial attractiveness of user-generated designs using online data: An empirical study within the LEGO user community, Journal of Product Innovation Management 31 (S1), 75–93.

LEGO Ideas (2019): LEGO Ideas Guidelines, online verfügbar: https://ideas.lego.com/guidelines#rewards [letzter Abruf: 18.01.2019].

Poetz, M.K.; Schreier, M. (2012): The value of crowdsourcing: Can users really compete with professionals in generating new product ideas?, Journal of Product Innovation Management, 29 (2), 245–56.

Porsche (2018): Porsche vertieft Zusammenarbeit mit Hochschulen, online verfügbar: https://newsroom.porsche.com/fallback/de/unternehmen/porsche-hochschuloffensive-open-innovation-contest-2018-new-work-digitalisierung-e-mobilitaet-zusammenarbeit-hochschulen-hhl-leipzig-code-university-berlin-15919.html [letzter Abruf: 18.01.2019].

Slotegraaf, R.J. (2012): Keep the door open: Innovating toward a more sustainable future, Journal of Product Innovation Management 29 (3), 349–351.

Wikhamn, B.R.; Styhre, A. (2017): Open innovation as a facilitator for corporate exploration, International Journal of Innovation Management 21 (6), 1–20.

Melina Schleef, M. Sc.

Mitarbeiterin und Doktorandin der Universität Bielefeld im Bereich für Gründungsmanagement und Social-Media Beauftragte von SUMABO

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2019-03-06T10:41:23+01:00Januar 25th, 2019|Innovation|0 Kommentare

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